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Die ersten 400km voller Erlebnisse

400km - >30°C - 3500hm - 40kg bikes

so die blanken Zahlen der letzten 5 Tage. (geschrieben von uns beiden)

Zwischen Reisfeldern, Bergen, Regenwäldern und unglaublich netten Menschen. Es ist so viel passiert, dass wir uns zwischenzeitlich Notizen machen mussten, um überhaupt die Tage richtig zuordnen zu können. Das Erlebte hätte durchaus auch für 4 Wochen gereicht, aber von vorne:

Abschied in Bangkok von Supaport, unserer Warmshowers Gastgeberin und Schuldirektorin der Supawan School

Bis wir alles gepackt haben und los kommen ist es halb 11. Auf dem Weg an der Schule vorbei treffen wir zum Glück noch Supaport, unsere Gastgeberin der letzten Tage. Die gute Frau ist mittlerweile an die 80 Jahre alt und immer noch fit wie ein Turnschuh und 'always busy'. Zum Abschied gibt sie uns noch ein paar wertvolle Vokabeln mit auf den Weg, die uns das Überleben als Vegetarier deutlich vereinfachen sollen.


Der Weg raus aus Bangkok ist nicht gerade unspektakulär aber aus landschaftlicher Sicht nichts Besonderes - Großstadt eben. Es immer wieder faszinierend auf kleinen Sträßchen und Wegchen das Leben abseits der Touristenströme zu beobachten. In Bangkok selbst haben wir bis auf den Königspalast, so ziemlich jede touristische Attraktion gekonnt umgangen und sind stattdessen auf den einheimischen Märkten und in kleinen Gäßchen unterwegs gewesen. Was uns zu den ein oder anderen versteckten Schätzen geführt hat:


Entsprechend neugierig wurden wir wir als Nicht-Asiaten auch des öfteren beäugt. So kam es auch zu einer lustigen und spannenden Begegnung bei einer einheimischen Familie. Der Hunger lies uns an einer kleinen Garküche zum Mittagessen halt machen. Nicht ganz einfach war wieder unsere Bestellung. Bekommen haben wir dann einen ganzen Fisch, frittiert und super lecker mit allerlei Kräutern. Mit dem kleinen 4-jährigen Sohn der Familie kamen wir schnell ins 'Gespräch', allerdings nur mit Händen und Füßen. Englisch von kaum jemandem außerhalb der Touristengebiete beherrscht und unser Thai lässt auch noch sehr zu wünschen übrig.


Der erste Tag führte uns komplett raus aus Bangkok. Vorbei an Nakhon Pathom, einer kleinen Vorstadt von Bangkok. Auf kleinen Straßen, zum Teil unbefestigt oder aus Betonplatten gebauten Wegen entfernten wir uns immer weiter weg von der Großstadt. Immer größer wurde dabei unsere Neugierde auf das was uns erwartet.

Da wir nie genau planen, wie weit wir heute fahren oder wo wir übernachten wollen, lud uns ein See auf dem Weg förmlich ein, die erste Nacht gleich im Zelt zu verbringen. Vorher noch skeptisch, ob Thailand überhaupt fürs Zelt geeignet wäre (viele Reisfelder, Privatland, Regenwald etc.), war die erste Übernachtung sehr aufregend - Heftiges Gewitter inklusive!

Die erste Nach überstanden wir gut. Jedoch machte das Gewitter aus unserem Zeltplatz über Nacht ein super schönes Matschloch aus Lehm und Dreck.


Die erste größere Stadt durch die wir kamen war Kanchanaburi. 'Berühmt' für eine simple Eisenbahnbrücke über den Kwai (bekannt aus dem gleichnamigen Film/Roman). Wenig spektakulär, zumindest für uns aber scheinbar ausreichend um genug Touristen anzulocken. So gibt es neben zahlreichen Bars (mit dem Slogan: "Get drunk for 10 Bhat" (~30 Cent)) auch einige schöne Hostels. Nach der matschigen Nacht im Zelt eine willkommene Abwechslung.

Von Kanchanaburi aus war der grobe Plan über den Erawan Nationalpark ins 'Hinterland' abzutauchen. Vorher war noch 'Fachsimpeln' über Mircos zusammengeschustertes Rad mit einem einheimischen Radler angesagt - er auf Thai, Mirco auf Englisch. Vielleicht hat er auch nur was vom Wetter erzählt und dabei Fotos von allen Teilen des Rads gemacht. Wir werden es nie erfahren. Die folgenden 80km verlaufen über einsame, frisch geteerte Straßen.

Das ständige Auf- und Ab mit 40kg Gepäck bei 32°C ist trotzdem ganz schön schweißtreibend. Die Ausblicke entlohnen uns aber großzügig für die Anstrengungen!


Der Eintritt in den Nationalpark kostet 300 Baht pro Person (1€ = 36 Baht), das Übernachten im eigenen Zelt weitere 30 Baht. Trotzdem eine lohnende Investition! Der Nationalpark hat neben vielen wilden Tieren und unberührtem Regenwald vor allem einen über 7 Ebenen verlaufenden Wasserfall zu bieten. Terrassenartig erstreckt er sich dabei über mehrere Kilometer, jede Ebene mit neuen, interessanten Blicken. Das Wasser glasklar bis blau schimmernd. Dazu das Grün des umgebenden Regenwaldes geben einen Blick wie aus dem Bilderbuch. Wir haben es zum Glück gerade so geschafft uns vor den anrollenden Touristenströmen zu bewegen. So hatten wir die oberste Ebene für eine Stunde zum Baden und Relaxen ganz für uns alleine.


Vom Erawan Nationalpark ging es dann zum ersten Mal in die 'richtigen' Berge. Der Weg schlängelte sich nach oben. Mit 8-10% Steigung und mit wenigen Kurven war das ganz schön anstrengend. Wieso auch einfach machen und Serpentinen mit einbauen, wenn man die Straße auch auf direktem Weg planen kann. Mit 4-5 km/h kriechen wir stundenlang die Berge hoch und runter, bei immer noch kräftezehrenden 30°C. Wir lassen keine Möglichkeit aus unsere Flaschen aufzufüllen. Zum Teil zur Belustigung aller Beteiligten, wenn der 5l Kanister noch vor Ort bis auf den letzten Tropfen geleert wird. Um einen Umweg von 30km zu Umgehen entschließen wir uns zu einer kleinen Fahrt mit der Fähre. Zu unserem Erstaunen und unserer Freunde sogar kostenlos für Radfahrer. Auf einer Fähre spricht uns die Amerikanerin Lea an und lädt uns promt zu sich nach Hause ein, was wir allerdings erst am nächsten Morgen schaffen sollten. Vorher war Schlafplatz suchen angesagt.

Und gerade als es Dunkel wurde und wir so langsam keine Lust mehr hatten länger zu suchen, kamen zwei Thais auf alten, klapprigen MTBikes daher. Und da sich Radfahrer überall auf der Welt sofort verstehen (trotz Sprachbarrieren!), enden wir schließlich mit unserem Zelt bei den beiden im Garten. Seeblick und Abendessen am Wasser inklusive. Was für ein Glück.


Am nächsten Morgen geht es dann nach kurzem Stopp bei Lea und ihrem Mann Lee in Ong Sit weiter durch die Berge. Die beiden leben seit 15 Jahren in Thailand, zwischenzeitlich mit ihren sechs Kindern. Die sind aber alle mittlerweile erwachsen und ausgeflogen. Wir erfahren einige interessante Infos über die Gegend und dass wir offensichtlich einen langen und steilen Weg durch die Wildnis vor uns haben! Also Wasserflaschen voll machen, Essen einpacken und auf gehts!


Nach stundenlangem Bergauffahren, mit wunderschönen Blicken über den angrenzenden See und den nahen Urwald, folgte eine lange, belohnende, landschaftlich beeindruckende Abfahrt. Schließlich landen wir in Tambon Somdet Charoen. Wo wir uns ziemlich erschöpft auf die Suche nach einem Schlafplatz machten. Wir beschlossen zuerst im Krankenhaus nachzufragen, ob wir denn evtl. auf der Wiese zelten können. Zum Glück verstehen die meisten Thai zumindest das Wort 'Camping' zusammen mit unseren Gesten. Ein kurzes Telefonat später werden wir mit Rollereskorte zur örtlichen Schule geführt. Schon öfters haben wir davon gehört, dass Schulen ein guter und sicherer Ort zum Übernachten sind. Dass es sich hierbei allerdings um ein königliches Internat handelt wussten wir nicht. Und so wurden wir direkt von der Direktorin begrüßt und fanden uns bald inmitten von ca. 200 Schülern die permanent im Internat wohnen. Insgesamt hat die Schule ca. 700 Schüler, der Rest kommt am Morgen mit Bussen, Taxis, Pickup-Trucks, Rollern und Co. zur Schule gefahren. Eigentlich wollten wir doch nur unser Zelt aufschlagen.


Aber es kam ganz anders. Zuerst bekamen wir ein Privatkonzert der Big Band. Diese bereiten sich gerade auf einen wichtigen Contest vor und dementsprechend üben sie bis zu 5h täglich - zusätzlich zu den 8h Unterricht. Unsere Ankunft hat sich schnell herum gesprochen und so müssen wir gleich im Anschluss uns Handballskills unter Beweis stellen.

Wir hätten vielleicht nicht erwähnen sollen dass Jelena Handball gespielt hat und Mirco Sportlehrer ist. Und so heißt es also improvisieren und einige Handballspielzüge und Übungen zum Besten zu geben. Die Schüler stellen sich erstaunlich gut an, doch sind wir uns beide nicht ganz sicher ob überhaupt irgendjemand die Handball-Regeln tatsächlich beherrscht - Sportlehrer inklusive.

Die nicht vorhandenen Sprachkenntnisse auf beiden Seiten machen es nicht leichter. Ein riesen Spaß war es doch allemal. Im Anschluss fährt uns Mean, der Musik- und Kunstlehrer der Schule noch auf den Dorfplatz um uns mit Wasser zu versorgen und einer thailändischen Spezialität bekannt zu machen: Roti, so etwas wie Pfannkuchen mit süßem Sirup. Zahlen dürfen wir aber natürlich auch nicht selbst.


Während wir unterwegs sind wird unsere Unterkunft, ein kleines Reihenhaus, noch von einem Schülertrupp gereinigt. So viel Aufwand ist uns schon fast unangenehm. Aber auf Nachfrage wird uns erklärt, dass das für die Schüler vollkommen normal ist. Jeden Abend machen sie gemeinsam die Schule innen und außen sauber. Überhaupt sind alle Schüler unfassbar freundlich und diszipliniert. Jeden morgen um 5 Uhr ist gemeinsamer Morgensport angesagt. Beim Frühstück wird kein Teller angefasst bevor gemeinsam gebetet wurde. Erst dann werden die, mit Sicherheit mittlerweile schon kalten Teller der Schüler, geleert. Im Anschluss treffen sich alle Schüler zu einer gemeinsamen Versammlung. Es wird gebetet und die Nationalhymne, der königliche Marsch und die Schulhymne gesungen.

Links die Englischlehrerin der Schule, (welche ausnahmsweise sehr gut Englisch spricht!), in der Mitte Mean, der Kunst- und Musiklehrer der Schule, und rechts Rashan, der Language-teacher (Französisch und Englisch)

Natürlich stehen wir an diesem Morgen auch dort im Mittelpunkt und so dürfen wir vor versammelter Schulgemeinschaft unsere Geschichte zum Besten geben. Mean und die Englischlehrerin der Schule übersetzen fleißig. Danach folgen noch die obligatorischen Selfies mit einem Großteil der Lehrerschaft kurz bevor der Unterricht beginnt.

Dann machen wir uns auch wieder auf den Weg mit unseren Rädern. Alles in allem ein unvergesslicher Besuch und ein toller Einblick in den Schulalltag der thailändischen Schüler!


Unser weiterer Weg führt uns in die nächste größere Stadt, nach Ban Rai. Dort wollen wir morgen einen Ruhetag einlegen. Die Beine sind schwer und die 50 hügeligen Kilometer werden erstaunlich lang und kraftraubend. Entweder geht es steil bergauf oder steil bergab. Kein einfaches Unterfangen nach unserer gestrigen Tour. Angekommen wird, zur Belustigung der Einheimischen, erstmal der Markt geplündert und gefühlt jedes vegetarische Gericht probiert das wir finden können. Die thailändische Küche ist vielfältig und vor allem lecker. So möchten wir am liebsten alles probieren. Zum Schlafen haben wir ein einfaches Hotelzimmer für 280 Baht gefunden, fallen müde ins Bett und können uns endlich ein bisschen Ruhe gönnen. Unsere grobe Reiseroute bisher seht ihr weiter unten. Mirco hat die Route in Bangkok auf gpsies.com im Voraus geplant und wir haben uns bisher mehr oder weniger genau daran entlang gehangelt. Die Straßen die wir dabei gefahren sind waren bisher mit wenigen Ausnahmen immer hervorragend geeignet, so dass wir in Ban Rai auch unseren weiteren Routenverlauf so planen wollen. Unseren ursprünglichen Plan später nochmal über die Berge an die Grenze zu Myanmar zu fahren müssen wir allerdings vermutlich begraben, da uns die Zeit unseres 30-tage Visums dafür wohl etwas zu knapp wird - außerdem ist die Straße dahin eher fahrraduntauglich laut Lea und Lee. Wir lassen uns überraschen wies weiter geht!






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