• jelena.mirco

Kambodscha im Fluss des Mekong

Mit dem Fahrrad durch Kambodscha. Von Norden an der Grenze zu Laos, am Mekong entlang bis nach Phnom Penh und zur Küste bei Kep im Süden. Wir erleben korrupte Grenzbeamte, idyllische Dörfchen am Mekong, religiöse Unterschiede, eine "heilige" Übernachtung im buddhistischen Tempel, unglaublich nette Leute, herrliche Natur und eine rasant wachsende Großstadt mit unglaublich verrücktem Verkehr, sind geschockt vom vielen Müll und der ein oder anderen Dreistigkeit der Kambodschaner.


Der ganz normale (Transport-)Wahnsinn in Kambodscha!

Unser Weg von Laos führt uns zunächst mit Hilfe von zwei Einheimischen über die Insel Don Khon und einer kleinen Fähre aufs Festland. Die Brücke zwischen Don Det und Don Khon ist seit ein paar Jahren auch wieder kostenfrei. So ist dies der schnellste und einfachste, wenn auch nicht ganz gewöhnliche Weg in Richtung Grenze. Unsere beiden Begleiter haben wir bei unserem Bugalow (für 4€ die Nacht!) kennen gelernt. Sie wollen in den Duty Free Shop an der Grenze fahren um Kaffee zu kaufen. Beide jenseits der 70, auf zwei alten Fahrrädern chinesischen Fabrikats wie sie hier überall rum fahren, in der größten Mittagshitze sicherlich kein alltäglicher Anblick in Südostasien. Wir sind auf jedenfall sehr dankbar, denn auf diesem Weg sparen wir uns die teuren Touristenpreise an der Fähre und unterhaltsam ist es allemal. Dazu bekommen wir sogar noch einen Tipp, um die Eintrittspreise für die Mekong Wasserfälle zu umgehen. Ein kleiner Trail durch den Wald und wir haben einen wunderschönen Blick auf die fallenden Wassermassen. Nach den Wasserfällen fahren wir die letzten Kilometer in der Mittagssonne Richtung Grenze. Unsere letzten Kip können wir dankbar noch schnell mit einem anderen (deutschen) Radreisenden in Dollar tauschen. Wir wussten schon von einigen Erzählungen, dass sich die Grenzbeamten dort mit einer dubiosen „Stempelgebühr“ ihr Gehalt aufbessern wollen. 1-2 $ sollte man dort angeblich bezahlen, nur damit der notwendige Stempel im Pass landet. Wir stellen uns also gedanklich schon auf einige Diskussionen ein. Schon auf laotischer Seite sollen wir 20.000 Kip pro Person bezahlen, nur um den Ausreisestempel in den Pass zu bekommen. Die drei Beamten, die dafür zuständig waren zeigten sich wenig kooperativ bei unserer Mission der Korruptionsbekämpfung. Als Mirco ihnen deutlich macht, dass wir nicht gewillt sind irgendetwas zu bezahlen, nur um das Land wieder verlassen zu dürfen, bekommen wir unsere Pässe durch das kleine Fensterloch zurückgeworfen -ohne notwendigen Ausreisetempel- und werden von da an schlichtweg ignoriert. Alle 20 Minuten versuchen wir es erneut mit den Beamten ins Gespräch zu kommen. Die sind aber mehr an ihrer Facebook-App interessiert als an uns. Andere Reisende kommen und gehen und bezahlen brav aber auch oft mit viel Ärger im Gesicht ihre 20.000 Kip. So vergehen ca. 2h. Die Pässe hat Mirco bei seinem letzten Versuch einfach im Fenster liegen gelassen. Wir packen also unsere Brotzeit aus. Wir bemerken das einer der Beamten langsam und beiläufig hinter der Scheibe etwas abstempelt und irgendwas in sein Büchlein einträgt. Wir verlangen unsere Pässe zurück und - siehe da -wir bekommen sie MIT Stempel. Wir bedanken uns brav für die nette Zeit in Laos und insbesondere an der Grenze und fahren weiter, wissend erst die Hälfte des Prozederes geschafft zu haben. Und wir werden nicht enttäuscht. Weitere 3h brauchen wir an der Grenze zu Kambodscha. Zu den offiziellen 30$ Visumkosten soll der Stempel hier vollkommen überzogene 5$ pro Person kosten, die direkt in die eigenen Taschen der korrupten Beamten fließen! Der kambodschanische Grenzbeamte glänzt nicht gerade mit überschwänglicher Höflichkeit und so werden wir schon angeschnauzt bevor wir ihm überhaupt erklären, dass er mit uns keine 10$ extra verdienen wird. Ein anderer kommt darauf überfreundlich auf uns zu um uns weiter zu helfen. Klevere Masche, einer überaus freundlich der andere überaus unfreundlich. Als wir dem Beamten nur 60$ geben, schmeißt er uns die Pässe entgegen und steht laut schimpfend auf und stampft davon. Es vergehen gute 30 Minuten. Die Grenze ist in der Zeit unbesetzt und so sammeln sich einige Reisende aus Laos vor dem Schalter. Unser freundlicher Grenzbeamter hilft derweil beim Reifenwechseln vor seinem Schalter. Zwischenzeitlich kommt ein Mann in Zivilkleidung auf dem Roller vorbei und fragt uns worauf wir warten. Wir erklären ihm die Situation und er fragt uns was wir denn bezahlen wollten fürs Visum. Nachdem er hört dass wir nur den offiziellen Preis bezahlen wollen, werden wir ziemlich wüst beschimpft. Wir sollen doch bitte "die Gesetze" (!) hier respektieren oder zurück in unsere „fucking country“ gehen. Wir sind höchst amüsiert aber auch erschreckt von so viel Dreistigkeit. So vergehen wieder gute 2h, bis ein weiterer Kollege auftaucht. Mirco reicht ihm die Pässe durchs Fenster. Anschließend vergehen wieder gute 30 min. Scheint ziemlich aufwendig zu sein so ein Visum zum Normaltarif in den Pass zu kleben. Nach insgesamt über 5h für 500m Luftlinie sind dann endlich alle Stempel (ohne Zusatzgebühr) im Pass und wir dürfen nach Kambodscha einreisen. Da es mittlerweile schon später Nachmittag ist, holen wir uns schnell in einem Restaurant etwas zu essen und suchen uns einen Platz für die Nacht. Gar nicht so einfach, denn das erste was wir von dem Land sehen, ist ein Waldbrand. Brandrodung ist eine gängige Praxis in diesem Land und überall lodert der trockene Busch. Überhaupt sehen wir auf unserer Reise hier wieder vermehrt große Umweltsünden und vor allem scheint die Müllproblematik noch größer zu sein als in Thailand und Laos. Dazu aber später mehr.


Nach diesem ruppigen Start in ein neues Land, wurden wir dafür im Anschluss mit herrlichen kleinen Wegen am Mekong entlang, überaus freundlichen Leuten und großartigen grünen Landschaften mit Kokospalmen und Reisfeldern belohnt. Egal wo wir hinkommen, überall rufen uns die Leute ein freundliches „Hello!“ zu.


Häufig bekommen wir Trinkwasser einfach geschenkt – keine Selbstverständlichkeit, müssen die Leute dort jeden Tropfen Trinkwasser abgefüllt in große Kanister kaufen. Und Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Welt. Der Kontrast zwischen Arm und Reich erscheint uns hier unglaublich groß. Häufig sind es vor allem die ärmsten, die uns freundlich entgegen winken und uns die gleichen (unglaublich günstigen) Preise anbieten, die auch Einheimische bezahlen. Essen gibt es fast überall zu kaufen. Häufig stehen am Straßenrand nur eine Handvoll Töpfe zum reinschauen und daraufdeuten was man haben möchte. Inklusive Reis kostet so ein Gericht 1$. Wenn wir im Zelt übernachten und zum Frühstück Bananen essen, schaffen wir es hier an manchen Tagen unter 4$ pro Person zu leben. Obst und Gemüse gibt es überall am Markt und so freuen wir uns mittlerweile fast täglich auf eine große Wassermelone oder Ananas, oder irgendeine andere Leckerei.

Die Tage vergehen schnell. Die Landschaft wechselt von trockenen staubigen Flächen hin zu grünen Reisfeldern und fruchtbarem Land. Das Klima wird spürbar schwüler und so werden die Nächte im Zelt wieder unangenehmer. Tagsüber werden wir dafür mit herrlichen kleinen Wegen belohnt, von Kokospalmen gesäumt. Der Weg schlängelt sich durch kleine ursprüngliche Dörfer die meist nahtlos ineinander Übergehen. Die Gegend von Stung Treng bis zur Hauptstadt Phnom Penh ist entlang des Mekongs sehr dicht besiedelt, dass wir aus dem ‚Hello Hello‘ rufen und winken gar nicht mehr herauskommen. Sämtliche Häuser sind auf Stelzen gebaut, so hoch, dass darunter locker ein Auto oder auch eine Kuh (oder mehrere) passen. Zum ersten Mal sehen wir neben den buddhistischen Tempeln auch Moscheen und verschleierte Frauen. Gefühlt fahren wir alle 2-3 Kilometern einem Tempel oder einer Moschee vorbei. Eine Anlage schöner als die andere. Auf dem Weg übernachten wir auch zum ersten Mal in einem buddhistischen Tempel. Oft haben wir schon gehört, dass es normalerweise problemlos möglich ist zumindest sein Zelt irgendwo im oder um den Tempel aufzustellen. Wir haben es schon einige Male versucht, wurden aber bisher immer weitergeschickt. Beim fünften Anlauf hat es dann geklappt und wir dürfen sogar im heiligen Bereich des Tempels übernachten – eine tolle Erfahrung!


Nach 8 Tagen erreichen wir Phnom Penh, die Hauptstadt des Landes. Wir werden begrüßt mit unfassbar chaotischem Verkehr. Rote Ampeln gelten hier nur als grobe Empfehlung etwas abzubremsen, falls sie überhaupt wahrgenommen werden. Sogar Polizisten kümmern die Verkehrsregeln kaum. Zwei Nächte gönnen wir uns hier im Hostel. Die Stadt selbst hat nicht wahnsinnig viel zu bieten für uns, wir vertreiben uns die Zeit mit regelmäßigen Besuchen am Markt und entspannen ein wenig. Oft dürfen wir hier wieder die dreisten Touristenpreise bezahlen. Für einen Kanister Trinkwasser bezahlen wir 4$. Aber auch das war nur ein Vorgeschmack auf das was noch folgen sollte.




Der Weg von Phnom Penh an die Küste führt immer am Highway entlang. Viel Verkehr, vor allem viele LKWs machen uns das Leben schwer. Die Landschaft ist geprägt von trockenen Reisfeldern und die Straße gesäumt von vielen großen Fabriken und Industrie. Die Menschen sind nett und wir finden immer gute Zeltplätze. So langsam freuen wir uns aber richtig aus Meer und wieder ganz neue Eindrücke.

Der Weg zum Meer führt durch sumpfige Mangrovenwälder und Shrimp-Farmen. Überall richt es schon nach salzigem Meer. Und unsere Vorfreude steigt.

Allerdings wird diese recht bald gedämpft, als wir ganz dreist direkt nach unseren ersten Metern am Meer übers Ohr gehauen werden. 7$ sollten zwei Portionen Reis mit Shrimps kosten, die sonst ca. 2-3$ kosten. Die Portion selbst war ein ziemlicher Reinfall und mit ganzen 5 winzigen Shrimps bestückt. Als der Besitzer des Restaurants dann aber 7$ pro Teller will, platzt Jelli fast der Kragen. Genervt von so viel Dreistigkeit und Unverschämtheit radeln wir weiter. Auch die Strände sind leider überall übersät mit Müll. Kein Wunder bei dem Umgang mit Plastik im ganzen Land. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Vorgewarnt und etwas enttäuscht suchen wir uns ein ruhiges Plätzen zum Zelten und finden kurz vor Kep in der 'FrechGhostTown' ein Stückchen Land für unser Nachtlager. Zumindest das klappt besser als erwartet. Unser spärliches Abendessen aus ein paar Nudeln mit Frühlingszwiebeln teilen wir dann noch mit einem durch die Büsche streifenden einheimischen Mann, der offensichtlich großen Hunger zu haben scheint. Schön auch mal ein klein wenig Gastfreundschaft zurückgeben zu können! Müde schlafen wir ein. Wir sind weiter optimistisch für den weiteren Weg an der Küste entlang - wird schon noch schöner werden! Dachten wir zumindest...

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