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Kirgistan - Land der Berge, Pferde und Jurten (und Vodka)

Mit dem Fahrrad durch Kirgistan. Von der Grenze Kasachstans nach Karakol und dem großen, blauen Issy-Kul See über zwei große Bergpässe nach Naryn und weiter über Umwege und dem Son-Kul nach Osh. Traditionelle Jurten, Schafe, Pferde und mystische Landschaften säumen unsere Route die uns bis auf 3900 m führt. Von vierspurigen chinesischen Highways, als Teil der "neuen Seidenstraße", zu kilometerlangen unfahrbaren Trage- und Schiebe-Etappen ist alles dabei. Wir lernen Kumys kennen. Kein Kirgise der das Haus verlässt ohne einen oder mehrere Liter des Zaubertranks bei sich zu tragen - unsere Geschmacksnerven bringt es an ihre Grenzen. Aber auch gesundheitliche Probleme bringen unsere gesamte Reise ins Wanken. (geschrieben von Jelena)



Die Sonne scheint, das Klima ist angenehm und alles um uns herum leuchtet saftig grün. Unzählige bunte Blumenwiesen mit summenden Bienenschwärmen präsentieren sich uns hier in Kirgistan. Wir befinden uns auf ca. 2000 Metern im Nordwesten des Landes und haben gerade den kleinen internationalen Grenzposten zu Kasachstan hinter uns gelassen. An der Grenze verlief alles reibungslos. Ohne große Umstände haben wir unseren Stempel an der Pforte bekommen und dazu sogar ein Lächeln, für Grenzbeamte auf unsrem Weg bisher nicht unbedingt üblich. Ein kleiner Pass steht uns auf den 85 km bis nach Karakol im Weg. Immer wieder werden wir eingeladen auf einen Tee. Einmal nehmen wir diese Einladung von einigen Kindern an. Nach Tee, Brot und einem Fussballspiel heisst es dann 'Tenge Tenge' wir sollen ihnen Geld geben. Auf Routen die oft von Touristen genutzt werden passiert uns so etwas öfter, leider sehen dort die Menschen oft (sicher nicht immer) nur noch unseren Geldbeutel. Unserer ist nach dem Grenzübertritt aber sowieso komplett leer und so bekommt jeder einen von Mircos heiligen Kaubonbons und wir fahren weiter. Die Strecke leicht wellig aber gut fahrbar und so sind wir einen Tag später in der kleinen Stadt Karakol um unsere Vorräte aufzufüllen, mir eine neue Bremse am Bazar zu besorgen und vor allem um Geld abzuheben. Der Bazar besteht aus alten Schiffscontainern und bietet so ziemlich alles an was man sich vorstellen kann.



Einige Kilometer weiter biegen wir vom Highway ab in Richtung Berge. Unser Ziel ist ein 3800 Meter hoher Pass und die dahinterliegende Hochebene. Zu Beginn präsentiert sich das Juuku Valley trocken und mit roten Felsen. Mit steigender Höhe wird es immer grüner und wir fahren entlang eines blauen, klaren Flusses durch ein herrliches Tal. Mirco plagt mal wieder Halsweh und so fahren wir gemütlich die ersten zwei Tage über die kleine, geschotterte Bergstraße, dem sogenannten Nomads-Trail. Es ist früh im Jahr und die Schneeschmelze noch nicht so lange her, langsam steigen die Temperaturen in dieser Gegend und so erfahren wir schnell den Hintergrund der dem Weg seinen Namen gibt. Unzählige Schaf- und Kuhherden mit ihren begleitenden Reitern und dessen Hunden sind auf dem selbern Weg wie wir unterwegs. Der Weg, der Anfangs immer leicht steigend bergauf führte, ändert sich allmählich in eine unfahrbare Angelegenheit. So schieben und tragen wir unsere schweren Räder fast einen ganzen Tag lang die letzten wenigen Kilometer den Berg hinauf. Man glaubt es fast nicht aber so ein schweres Rad hinauf zu schieben ist oft anstrengender als zu fahren und so komme ich immer wieder an meine Grenzen. Immer wieder wird es so steil und unzugänglich, dass ich selbst unter Einsatz meines ganzen Körpergewicht und all meiner Kraft nur in Schritten von etwa 20 cm voran komme. Immer wieder müssen wir Pause machen. Die Landschaft ist wunderschön und wir kämpfen uns an zwei traumhaften Bergseen vorbei. Die Route ist definitiv nicht für so voll bepackte Räder wie unsere geeignet. An einigen Stellen müssen wir sogar das Gepäck abschnallen und einzeln hoch tragen, da es selbst für Mirco unmöglich ist die voll beladenen Rädern über loses Geröll steil bergauf zu schieben. Selten haben wir uns so gefreut oben auf einem Pass anzukommen. Aber wir haben es geschafft und dürfen den wunderbaren Blick auf eine grüne Hochebene auf 3800m genießen.



Dort bauen wir dann auch gleich unser Zelt für die Nacht auf. Nachts wird es auf dieser Höhe empfindlich kalt und wir wachen mit gefrorenen Wasserflaschen vor dem Zelt auf. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg über die grüne Hochebene. Die Ausblicke sind atemberaubend, der Trail dagegen vor allem atemraubend schlecht und so müssen wir wieder einen großen Teil schieben und unsere Räder über einen breiten, eiskalten und noch dazu zum Teil knietiefen und schnell fließenden Gebirgsfluss hiefen bevor wir auf einem perfektem Highway landen.



Mit einem traumhaften Bergpanorama und wechselndem Gegen- und Rückenwind rollen wir erst einige Kilometer auf der Höhe entlang. Der Highway ist in einem überraschend gutem Zustand, da er zu einer Goldmine führt. Immer wieder kreuzen riesen LKWs und Minenfahrzeuge unseren Weg.



Dann geht es rund 50 km bergab wieder zum Issyk Kul. Der See ist 182 km lang, 60 km breit, bis 668 m tief und liegt 1607 m über dem Meeresspiegel. Mit seiner 6236 km² Fläche ist er der zweitgrößte Gebirgssee der Erde. Die weißen Strände und das türkisfarbene, klare Wasser laden zum Urlaub machen ein. Wir füllen unsere Vorräte wieder auf. Prompt lassen wir es uns dort bei einem Ruhetag gut gehen. Vor allem auch, da Mirco sich nach den Strapazen der letzten Tage sehr platt und unwohl fühlt.



Ausgeruht und gestärkt machen wir uns anschließend direkt auf dem Weg zum nächsten Pass, dem Tosor Pass. Wer Weg ist holprig und schlängelt bis auf eine Höhe von 3900 m durch abwechlungsreiche Landschaften. Nach einem langen Kurbel-Tag übernachten wir auf 3300 m um am nächsten Tag die letzten 600 hm über eine immer schlechter werdende Schotterpiste fortzusetzen. Gletscher und kleine, tiefblaue Bergseen säumen unseren Weg bis wir über den Pass rollen. Auf der anderen Seite präsentiert sich uns ein grünes, weites Tal wie aus einem Märchen. Überall sieht man unzählige, dicke Murmeltiere, immer wieder müssen wir Flüsse queren und die Landschaft zeigt immer wieder ein neues Gesicht. Von hier sind es rund 220 holprige Kilometer bis in die nächste größere Stadt. In der letzte Nacht übernachten wir in einer verlassen Jurte bevor wir uns nach Naryn auf machen. Umso tiefer wir kommen umso heißer wird es und auch die letzten 20 km in die Stadt über schlimmste Wellblech-Piste (laut Karte ein 'Highway') lassen uns ins Schwitzen kommen. Umso mehr freuen wir uns einen Ruhetag in der Stadt einzulegen. In der öffentlichen Bibliothek können wir umsonst die Computer benutzen und uns im Internet über unsere weitere Route informieren. Am lokalen Markt füllen wir unsere Vorräte wieder auf, bevor wir am späten Nachmittag aus der Stadt rollen.



Von hier aus fahren wir auf perfektem Asphalt bis zum Abzweig zum bekannten Son Kul - See. Ein aufziehendes Gewitter lässt uns auf dem Weg einen frühzeitigen Stop einlegen und am nächsten Tag erst vorsetzen. Auch am nächsten Tag sitzen wir nach dem Mittagessen länger wie gedacht. In unserer Richtung in den Bergen sieht man die Gewitter nur so in den Gipfeln hängen. Der Weg hoch zum Son Kul führt uns über Serpentinen bis auf 3600 m, der See selbst liegt in einer Hochebene auf 3300 m. Unzählige weisse Jurten liegen auf der grünen Wiese umringt von Pferden und Schafherden. Mittendrin liegt der blaue Bergsee Son Kul hohen schneebedeckten Bergspitzen umgeben. Nach einem frühzeitigen Stopp genießen wir das Naturschauspiel und das wechselnde Farbspiel der Landschaft mit den vorbeiziehende, dunklen Gewitterwolken.



Die Nacht verbringen wir direkt an Ufer des Sees bevor wir uns auf einem kleinen Seitenweg am nächsten Tag wieder ins Tal aufmachen. Starker Gegenwind und ein schlechter Trail machen das Vorankommen zu einer anstrengen Angelegenheit. Kurz bevor wir die ersten Serpentinen hinunterrollen fängt es an zu regnen. Eines der umherziehenden Gewitter hat uns erreicht und schnell ziehen wir Regenjacke und Hose an. Nicht lang dauert es und wir sind klitschnass und durchgefroren. In einer kleinen Felshöhle warten wir dann das Unwetter mit einer Tasse Tee ab. Unten im Tal angelangt suchen wir erstmal den kleinen Laden im nächstgelegen Dorf auf. Trostlos und grau wirken die Häuser hier, aber es gibt Internet-Empfang und so checken wir bei einer Brotzeit erstmal die 'Challenge Roth' Ergebnisse zuhause. Es ist nicht zu leugnen, das dabei viele Erinnerungen wach gerufen werden und sicherlich etwas Heimweh und Sehnsucht aufkommt. Auf jeden Fall freuen wir uns jetzt schon wieder auf das nächste Jahr!



Nach mehreren Kilometern auf teils bestem Asphalt durch ein grünes Tal mit vielen Dörfern, umringt von Bergen in verschiedensten mineralischen Farbtönen, biegen wir vom Haupt-Highway ab. Wir staunen nicht schlecht, denn die auf unserer Karte klein eingezeichnete Straße entpuppt sich hier als frisch geteerter Highway, besser als die offizielle Hauptroute. Zumindest vorerst. Überall am Straßenrand sieht man chinesische Bauarbeiter, so sieht also das neue Seidenstraßen Projekt der Chinesen aus. Wir genießen auf jeden Fall die leicht abfallende, super ausgebaute Straße. Es rollt so toll wie lange nicht bis uns ein LKW Fahrer aufhält und und erklären will das es hier nicht weiter geht. Etwas verwirrt was er uns wirklich sagen wollte, führen wir dennoch unseren Weg fort. Gespannt wie es weiter geht. Das Tal an sich ist mit seiner Landschaft unglaublich schön und mal wieder ganz anders wie das was wir bis jetzt gesehen haben. Je weiter wir fahren, umso neuer wird der Asphalt und umso mehr Arbeiter stehen am Seitenrand. So kommen wir bald an den Punkt wo die Straßenarbeiten immer weniger werden, schliesslich auch enden und sich der Highway wieder in eine schlechte Schotterpiste verwandelt. Unser Plan ist es jedoch hier so oder so in die Berge abzubiegen, wo der Weg zwar prompt noch um einiges schlechter und schwer fahrbar ist, aber zumindest haben wir damit sowieso schon viel früher gerechnet.



Mit vielen Höhenmeter auf und ab bahnen wir unseren Weg durch die weit abgelegenen Dörfer. Kaum ein Tourist findet seinen Weg in diese Gegend. Nach vielen nahezu ausgestorbenen Dörfern und unglaublich schönen bunten Blumenwiesen mit heißen Temperaturen, gelangen wir schließlich auf eine Hochebene gesäumt mit Jurten. Im Sommer ziehen viele Familien in Kirgistan mit ihren Tieren für mehrere Wochen in höhere Lagen. Am Ende der Ebene führen steile steinige Serpentinen in das nächste Tal nach Toluk. Zu viel für unsere Räder und Mirco macht erstmal einen Salto von seinem Rad. Schuld war der abgefahrene Reifen, der schon seit 3000 km kein Profil mehr aufweist. Aber so lange er nicht auseinander fällt wird er weiter gefahren, was übrigens das erklärte Motto sämtlicher Fahrzeuge hier im Land zu sein scheint. Es war der erste richtige Sturz von Mirco (zumindest mit Rad) auf unserer Reise, passiert ist zum Glück nicht viel. Die Hände sind etwas offen aber wir haben noch einmal Glück gehabt. In dem kleinen Dorf im nirgendwo finden wir einen kleinen Laden und bauen etwas außerhalb direkt am Fluss auf einer Wiese unser Zelt auf. Dort verbringen wir auch unfreiwillig die nächsten zwei Tage. Mirco geht es mal wieder schlechter. Ihn plagen heftige Magen-/Darmprobleme und er fühlt sich schlapp. So nah am Dorf bleiben wir nicht lange unbemerkt und immer wieder bekommen wir interessierten Besuch. An der kleinen Seitenstraße nicht weit von unserem Zeltplatz beobachten wir seit unserer Ankunft Ströme von Menschen die tagelang an einem Ort zu pilgern scheinen. Es werden immer mehr und am letzten Tag stellt es sich als eine Beerdigung heraus. So werden nebenan Rinder geschlachtet und nach dem "offiziellen" Teil versammeln sich einige Kirgisen an unserem Platz am Fluss. Uns werden kiloweise Plov (Reis mit Karotten, viel Fett und Fleisch- eines der beliebtesten Gerichte), gekochtes Fleisch, sowie Süßigkeiten überreicht. Auch müssen wir natürlich zumindest einen Schluck von ihrer Vodkaflasche nehmen und ein Schluck vom Kumys darf natürlich auch nicht fehlen. Dabei handelt es sich um fermentierte Stutenmilch. In Kasachstan und Kirgistan absolutes Nationalgetränk und niemals würde ein Kirgise das Haus verlassen ohne eine Flasche (oder einen ganzen Eimer) davon. Der Geschmack lässt sich schwer beschreiben. Er liegt irgendwo zwischen vergorener Milch und Rauchbier. Zum Glück ist es legitim das Ganze mit einem Schluck Vodka runter zu spülen. Auf jedenfall eine interessante Erfahrung und nette Begegnung. Der Alkohol tut sein Übriges und nach einigen obligatorischen Fotos artet es in einer Wasserschlacht aus und ich darf mich sogar einmal auf eines der Pferde setzten. Was die Kirgisen sichtlich stolz macht und uns scheinen zahlreiche Goldzähne aus den grinsende Gesichtern der Einheimischen entgegen.



Nicht immer trägt der Alkohol zur allgemeinen Belustigung bei. Einmal werden wir mit Steinen beworfen, nur weil wir eine Einladung zum Vodkatrinken ablehnen. Es ist außerdem schockierend wie viele leere Vodka-Flaschen überall im ganzen Land mitten in der Landschaft liegen. Kein Platz an dem nicht Flaschen oder deren Überreste in Form von Splittern die Landschaft verunstalten. Leider spielt Vodka in diesem Land eine viel zu große gesellschaftliche Rolle, wie wir finden.


Obwohl es Mirco noch nicht wirklich gut geht beschließen wir die letzten Kilometer 98 km und 2500 hm nach Toktogul in Angriff zu nehmen. Im Dorf ist leider kein Taxi zu einem angemessenen Preis aufzutreiben ist: erst wollte der Busfahrer 30 Dollar, als wir ablehnten wollte er uns als Sonderpreis 100$ anbieten. Mathe war wohl nicht seine Stärke.

Und so quält Mirco sich die ersten Höhenmeter in der Hitze die holprige Piste den Berg hinauf. Er ist sichtlich schlapp und ich mache mir wirklich Sorgen. Und wie der Zufall es so will hält plötzlich ein alter Mann mit einem kleinen VW Golf an und bietet an uns in die Stadt zu fahren. Ich bin erleichtert und stecke Mirco mit samt Rad und Gepäck in das Auto. Für mich und mein Rad ist kein Platz mehr (auch wenn unser Chauffeur das anders sieht) und wir machen aus uns in Toktogul wieder zu treffen. Das Auto ist weg und ich stehe plötzlich alleine da. Die Route auf der kleinen Bergstraße geht ständig auf und ab und den ganzen restlichen Tag bin ich unterwegs. Alleine als Frau unterwegs mit dem Rad zu sein ist eine ganz neue Erfahrung aber definitiv keine schlechte. Man kommt noch mehr ins Gespräch mit den lokalen Mensch und alle sind unglaublich freundlich, aber auch erschrocken was eine Frau alleine hier macht. Kurz vor der Stadt baue ich mein Zelt auf um mir die Übernachtung zu sparen. In der Früh rolle ich die letzten 7km in die Stadt und mache erstmal mit Mirco Frühstück. Der ist immer noch sichtlich angeschlagen und so bleiben wir noch eine Nacht im Hotel und beschließen ihn im den nächsten Bus nach Osh zu schicken. Dort im Krankenhaus durchchecken zu lassen. Schnell haben wir einen Bus gefunden, Platz ist aber nur für ein Rad. Ich könnte den Bus einen Tag später nehmen, entscheide mich aber gegen einen weiteren Tag warten und dann einen ganzen Tag im Bus zu sitzen. Früh um 7 stecke ich Mirco in den Bus und mache mich auf den Weg. Auf dem Highway geht es für mich nun alleine rund 400km und rund 5500 hm nach Osh. 4 Tage brauche ich für die Strecke vorbei am türkisen See Toktogul über einen kleinen Pass und durch ein welliges Tal mit einem einen aufgestautem Fluss in fabelhafter, blauer Farbe.



Es ist unglaublich heiß aber ich fühle mich alleine als Frau abgesehen von gefährlich fahrenden Autofahrern nie unsicher. Nach zehn Monaten zusammen ist es ein ganz neues Gefühl alleine unterwegs zu sein, aber definitiv eine Erfahrung und ich muss sagen ich genieße es. Alleine zu Reisen finde ich schon immer spannend, du gehst und stoppst wann immer du willst und kommst noch enger in Kontakt mit deiner Umgebung. Überall bekomme ich Melonen und andere Dinge geschenkt. Die Einheimischen sind sichtlich interessiert an dem was ich hier mache. Einmal bringt mit eine kleine freundliche Familie Abends sogar einen Teller Nudeln und Trinkwasser an mein abendliches Zeltlager, einfach um mir eine Freude zu machen. Die Menschen hier sind meist muslimisch und diese Gastfreundschaft ist fest in ihrer Kultur verankert.



Nachdem es Mirco eigentlich seit Indien nie wirklich gut ging machen wir uns mittlerweile ernsthafte Sorgen unsere Reise fortsetzten zu können. Mirco war deswegen während ich unterwegs war im Krankenhaus in Osh und hat einen Stul- und Bluttest machen lassen. Gespannt und nervös holen wir die Ergebnisse ab. Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung in Indien durch die Antibiotika alle Bakterien in seinem Darm abgetötet hat. Leider waren darunter wohl auch alle guten, notwendigen und das heißt für ihn erstmal Darmflora wieder aufbauen. Hoffentlich klappt das auch! So kaufen wir im Supermarkt (ja wir haben einen echten großen SUPERmarkt gefunden!) Kefir und in der Apotheke Probiotika. Um das Ganze noch zu begünstigen setzen wir Mirco auf eine Null-Zucker-Diät (er meint Erschießen wäre die bessere Lösung) mit sehr wenig Obst und sehr viel Gemüse. Auch Nudeln und Weissbrot streichen wir erstmal von der Speisekarte. So geniessen wir ein paar ruhige Tage in unserem Hostel und nutzen die vorhandene Küche richtig aus. Nach dem einfachen Kocher den wir unterwegs immer nutzen, richtig toll mal wieder fast wie Zuhause kochen zu können. So warten wir ein paar Tage ab bis Mircos Papa zu uns stößt. Er will mit uns den Pamir Highway mit dem Fahrrad in Angriff nehmen.

Nachdem wir Richard, Mircos Papa vom Flughafen abgeholt haben beschliessen wir für die ersten fünf Tage ein Allrad-Auto zu mieten und noch eine Runde durch Kirgistan zu drehen. Das gibt Mirco noch ein paar Tage Erholung und Mircos Papa bekommt einen kurzen Einblick in ein für uns sehr beeindruckendes Land und die Höhe.



Ein Fahrzeug zu mieten ist in Kirgistan vergleichsweise teuer. Wir bezahlen 80$ pro Tag. Auch was wir für ein Auto bekommen darf nicht mit westlichen Autovermietungen verglichen werden. Bei unserer Kiste leuchtet sofort die Motorkontrollleuchte auf. Das Automatik-Getriebe hat immer wieder grobe Aussetzer. Nach einem Tag melden sich die Bremsen. Sie sind komplett runter gefahren und wir bremsen 4 Tage lang Metall auf Metall. Und das bei 3600m hohen Pässen und steilen Offroad-Pisten. Zu allem Überfluss bricht auch noch ein Federbein am vorletzten Tag. Wir kontaktieren den Vermieter. Seine Antwort: "Drive until engine stops. This is how we do in Kirgistan."

Das passiert zum Glück nicht und wir kommen heil wieder in Osh an. Auf unserer kurzen Runde durch Kirgistan sind wir auf einigen Straßen unterwegs die wir bereits mit dem Fahrrad befahren haben. Aber auch einige neue Abschnitte besuchen wir, mit unglaublichen Ausblicken! Nichts desto trotz sind wir irgendwie wieder froh in Osh angekommen zu sein und von nun an wieder auf zwei Rädern unterwegs sein können. Es ist doch ein ganz anderes Reisen mit dem Fahrrad. Für uns, trotz aktuell bereits über 12000 km im Sattel, noch immer die schönste Art des Reisens! (Auch wenn wir unseren alten roten Bus daheim manchmal etwas vermissen.)



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